Wenn man sich ein Kind wünscht, kann sich jeder Monat ohne positives Ergebnis wie eine Ewigkeit anfühlen. Dennoch wissen viele Schweizer Paare immer noch nicht, was sich hinter dem medizinischen Begriff Fruchtbarkeitscheck verbirgt. Es ist nicht eine einfache Untersuchung, sondern eine vollständige Kartografie Ihres reproduktiven Potenzials. In der Deutschschweiz empfangen die Zentren für Reproduktionsmedizin jedes Jahr Tausende von Paaren. Ihr erster Rat ist immer derselbe: Nicht warten, um die ovarielle Reserve, die Spermienqualität und die Gebärmutteranatomie zu beurteilen. Die Fruchtbarkeitstests für Männer und Frauen sind heute einfach und werden bei ärztlicher Verordnung weitgehend von der Kasse übernommen.
Bei der Frau beginnt der Check-up mit einer hormonellen Blutuntersuchung (FSH, LH, E2, AMH) zwischen dem 3. und 5. Zyklustag. Das Anti-Müller-Hormon (AMH) ist zum Star-Marker geworden, da es die Follikelreserve anzeigt. Eine endovaginale Ultraschalluntersuchung zählt die antralen Follikel. Beim Mann analysiert das Spermiogramm die Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie der Spermien. In der Schweiz wenden die Labore die strengen Kriterien der WHO an.
Wenn die natürliche Befruchtung unmöglich ist, besteht die IVF (In-vitro-Fertilisation) darin, Eizellen und Spermien im Labor zusammenzubringen. Die ICSI geht weiter: Ein einzelnes Spermium wird direkt in die Eizelle injiziert. Diese zweite Technik ist bei stark verändertem Spermiogramm oder nach Versagen einer klassischen IVF indiziert. In der Schweiz liegt die durchschnittliche Erfolgsrate pro Versuch bei etwa 30 % bei Frauen unter 35 Jahren, dank der hohen Qualität der Labore. Die Grundversicherung übernimmt unter bestimmten Voraussetzungen einen Teil der Kosten.
Die ovarielle Stimulation dauert etwa 10 bis 12 Tage mit täglichen Hormoninjektionen. Die Patientin lernt, sich selbst zu spritzen, manchmal mit Hilfe ihres Partners. Ziel ist es, mehrere Follikel gleichzeitig reifen zu lassen. Die Ovulation wird durch eine hCG-Injektion etwa 36 Stunden vor der Entnahme ausgelöst. In Schweizer Fruchtbarkeitskliniken begleiten spezialisierte Pflegekräfte diesen Prozess mit praktischen Hilfsmitteln und individueller Unterstützung.
Die Reproduktionsmedizin ist nicht ohne Risiken. Das ovarielle Hyperstimulationssyndrom kann in seltenen Fällen auftreten, wird heute jedoch durch moderne Protokolle besser kontrolliert. Gleichzeitig gewinnt das Social Freezing von Eizellen in der Schweiz an Bedeutung. Viele Frauen entscheiden sich dafür, ihre Fruchtbarkeit aus beruflichen oder persönlichen Gründen frühzeitig zu sichern.
Seinen Fruchtbarkeitscheck zu verstehen bedeutet auch, informierte Entscheidungen treffen zu können. Die Reproduktionsmedizin in der Schweiz gehört zu den am besten regulierten in Europa und bietet vielen Paaren neue Möglichkeiten. Gleichzeitig bleibt der emotionale Aspekt zentral, denn hinter jeder Behandlung steht ein persönlicher Wunsch nach Familie und Zukunft.