Ostern ist in der Schweiz eines der bedeutendsten Feste im Jahreskalender. Als Land mit tief verwurzelten christlichen Traditionen und gleichzeitig grosser regionaler Vielfalt erlebt man zu Ostern ein buntes Nebeneinander von religiösen Riten, volkstümlichen Bräuchen und familiären Festen. In den verschiedenen Sprachregionen – der Deutsch-, Welsch- und Tessiner Schweiz – hat Ostern jeweils sein eigenes, unverwechselbares Gesicht.
Ostern, das älteste und wichtigste Fest des christlichen Glaubens, feiert die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Die Osterzeit beginnt liturgisch bereits am Aschermittwoch und erreicht mit dem Ostersonntag ihren Höhepunkt. In der Schweiz wird diese Feierlichkeit in beiden grossen Konfessionen – der reformierten und der römisch-katholischen Kirche – mit grosser Ernsthaftigkeit und Freude begangen.
Die Osternacht
In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag entzünden katholische Pfarreien das Osterfeuer, Symbol des Lichts Christi in der Dunkelheit. Die Osternachtfeier gilt als die «Mutter aller Gottesdienste». Kerzen werden entzündet, das Halleluja wird nach 40-tägigem Schweigen wieder angestimmt, und die Auferstehungsbotschaft erfüllt die Kirchen.
Palmsonntag
Am Sonntag vor Ostern werden in vielen Gemeinden Palmbüschel geweiht und feierliche Prozessionen abgehalten. Kinder tragen geschmückte Palmzweige, Buchs oder Weidenkätzchen. Diese Tradition erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem.
Karfreitag – ein stiller Tag
Der Karfreitag ist in der Schweiz gesetzlicher Feiertag und wird besonders in reformierten Gebieten als Tag der stillen Besinnung und des Gedenkens an die Kreuzigung Christi begangen. Viele Familien verzichten an diesem Tag bewusst auf Fleisch und laute Feierlichkeiten.
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Der Osterhase
Der Osterhase als Überbringer von bunten Eiern und Süssigkeiten ist in der gesamten Schweiz bekannt und geliebt. Seine Ursprünge liegen im alemannischen Raum und reichen ins 17. Jahrhundert zurück. In vielen Familien wird am Ostersonntag morgens ein Nest mit Osterüberraschungen versteckt, das die Kinder suchen müssen – eine Tradition, die Jung und Alt begeistert.
Ostereier bemalen und -verzieren
Das Verzieren von Ostereiern ist ein handwerklicher Brauch mit langer Geschichte. In der Zentralschweiz und im Appenzellland wird das sogenannte "Eierticken" gepflegt: Man tippt hartgekochte Eier gegeneinander – wessen Ei nicht bricht, gewinnt. In der Westschweiz und im Tessin sind kunstvoll bemalte Eier aus Schokolade oder echten Eierschalen besonders verbreitet.
Osterfeuer
Osterfeuer gehören in vielen Schweizer Dörfern zur festen Tradition. Sie werden am Ostersamstag oder in der Osternacht entzündet und symbolisieren den Sieg des Lichts über die Dunkelheit, des Lebens über den Tod. Das gemeinsame Beisammensein rund um das Feuer stärkt das Gemeinschaftsgefühl und verbindet Generationen.
Osterwasser
Ein weniger bekannter, aber wunderschöner Brauch: In einigen Deutschschweizer Gebieten schöpfen junge Menschen in der Morgendämmerung des Ostersonntags schweigend Wasser aus einer Quelle oder einem Bach. Dieses «Osterwasser» soll besondere heilende und verjüngende Kräfte besitzen – vorausgesetzt, man spricht auf dem Weg weder hin noch zurück.
Chropfzüüg – das Klappern in der Karwoche
In katholischen Regionen der Innerschweiz und im Tessin gibt es den alten Brauch, dass Kinder während der Karwoche – wenn die Kirchenglocken verstummen und symbolisch nach Rom «fliegen» – mit Holzklappern und Ratschen durch die Dörfer ziehen, um die Gläubigen zu den Gottesdiensten zu rufen. Diese lebhafte Tradition ist ein eindrückliches Beispiel für gelebten Volksglauben.

Die Schweiz beeindruckt durch ihre sprachliche und kulturelle Vielfalt – und Ostern spiegelt diese Diversität wunderbar wider: